Mein Praktikum in China

In ienem dreiwöchigen Praktikum einer der vier TCM-Kliniken in Peking konnte ich bei fünf verschiedenen Ärzten und Ärztinnen vertiefen, was ich schon bei Professor Yuan in Baden-Baden lernte und an Patienten praktiziere:

Traditionelle Chinesische Medizin wirkt ohne Nebenwirkungen.

Akupunktur aufgrund von Puls- und Zungendiagnose, Antlitzdiagnostik und ausführlicher Anamnese, die mehr berücksichtigt als die westliche Medizin, ist hier in Deutschland schon sehr verbreitet, doch oft sind wir zurückhaltend mit Ohrakupunktur, Ohrsamen,Bauchakupunktur, Wärmelampe, Moxa, Elektroakupunktur, Schröpfen und Schröpfmassage sowie Guasha (Reiben mit einem Schaber, bis die Haut besonders gut durchblutet ist, um Schlacken abzutransportieren) und Tuina (bestimmte Massageart).

Zur Akupunktur waren diese Therapien Alltag, ebenso die Kräutermedizin, wofür das Krankenhaus eine große Apotheke besitzt.

Morgens waren wir - sechs Praktikanten, unser Professor Yuan, der übersetzte, wenn die englische Konversation nicht möglich war, und ich - in den verschiedenen Behandlungszimmern, in denen gleich mehrere Patienten behandelt wurden. Andere warteten geduldig, bis eine Liege frei wurde oder darauf, dass sie eine Erstanamnese mit Zungen- und Pulsdiagnostik erhielten, ein neues Rezept oder neue Samenkörner, die unter einem kleinen Pflaster auf bestimmte Stellen am/im Ohr geklebt wurden, damit sie die Reflexzonen dort stimulieren.

Zwei Ärzte waren orthopädisch spezialisiert. Sie renkten Patienten, die sich kaum bewegen konnten, so ein, dass sie danach oder auch erst nach der folgenden (Elektro-)Akupunktur sichtlich mobiler waren.

Viele Patienten hatten Trigeminusneuralgie oder Facialisparese oder Gürtelrose, Kopfschmerzen oder Ischiasbeschwerden, Schlaflosigkeit oder Müdigkeit, Schlaganfall oder Arthrose, Bandscheibenvorfall oder Halswirbelsäulenbeschwerden, Asthma oder durch die Trockenheit und Kälte bedingte Infekte. Allergien sind im Sommer häufiger.

Nachmittags erhielten wir von den Ärzten und Ärztinnen abwechselnd Vorträge, nicht nur über wichtige Akupunkturpunkte und wie sie durch verschiedene Techniken verschieden beeinflusst werden können, sondern auch wann welche Methode in Bezug zu Ursachen (z.B. zu große Hitze oder Qi-Stau) und Symptomen angebracht ist. Praktische Übungen wir Qi Gong waren auch dabei.

Hatten wir Freizeit, war ich nicht zu bremsen, Peking kennen zu lernen: seine freundliche Bevölkerung, wunderschönen Parks und Sehenswürdigkeiten, Märkte, auf denen man alles erhandeln kann und 14spurige Straßen, auf denen es hupend voran geht, Bus und total saubere U-Bahn, moderne und traditionelle Kunst sowie Bauten, ebenfalls von alt bis neu - und fantastisch - wie das Essen: abwechslungsreich, schön angerichtet und gut bekömmlich. Eine Stadt voller Kontraste, und deren hilfsbereite und offene Einwohner mich haben heimisch fühlen lassen.


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